exakt | 16.01.2019 Leipziger Hausbesetzer werden Mieter

Im Sommer 2018 besetzten Obdachlose das alte Zollhaus am Leipziger Hauptbahnhof. Nun sind sie umgezogen - und ganz offiziell Mieter eines anderen Hauses. Das Problem der Obdachlosigkeit am Hauptbahnhof löst das aber nicht.

Im Sommer 2018 besetzten Obdachlose das leerstehende alte Zollhaus am Hauptbahnhof in Leipzig. Endlich hatten sie einen trockenen Rückzugsort, richteten einen Schlaf- und einen Gemeinschaftsraum ein und träumten davon, das Gebäude für den Winter herzurichten.

Doch ihr Plan geht nicht auf. Auf dem über elf Hektar großen Gelände soll ein neuer Stadtteil entstehen - inklusive 700 Wohnungen, Grünflächen und einer Kita. Da sind die Obdachlosen im Weg. Bevor die Bagger kommen, müssen sie weg. Nur wohin?

Ein Ausweichquartier für die Besetzer

Das alte Zollhaus am Leipziger Hauptbahnhof ist verrammelt.
Die Obdachlosen besetzten das alte Zollhaus am Leipziger Hauptbahnhof. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Erst will der Bremer Investor Jens Meinrenken das Gebäude im Herbst 2018 räumen lassen. Dann versucht er im November doch, sich gütlich mit den Obdachlosen zu einigen. Er bietet ihnen ein Ausweichquartier an, das sich ebenfalls auf dem fraglichen Gelände befindet. Warum er so handelt, verrät er MDR exakt auch auf mehrfache Nachfrage hin nicht.

Die Obdachlosen nehmen das Angebot an. Bei einem Notar lassen sie sich als Verein eintragen. So hat Jens Meinrenken einen Vertragspartner. Kontakt zur Presse dürfen sie ab diesem Zeitpunkt nicht mehr haben - sonst würde der Vertrag mit dem Bauunternehmer platzen.

Weitere Obdachlose auf dem Gelände ohne Unterkunft

Für die Stadt Leipzig hat sich das Problem der Obdachlosigkeit am Hauptbahnhof damit erledigt - zumindest lautet so das offizielle Statement.

Momentan sollen sich auf dem Gelände keine obdachlosen Personen befinden.

Schriftliche Mitteilung der Stadt Leipzig
Vor einer Baracke stehen drei Einkaufswagen mit dem Hab und Gut von Obdachlosen.
Auf dem Gelände am Leipziger Hauptbahnhof leben noch immer Obdachlose. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Fakt ist jedoch: Auf dem Gelände leben noch mehr Obdachlose, mindestens 20 Menschen. Die Übernachtungshäuser der Stadt sind für sie keine Lösung. Ein Grund: Die Unterkünfte sind nach Geschlechtern getrennt. Paare können nicht gemeinsam unterkommen. Auch die Haustiere der Obdachlosen sind dort nicht erlaubt. Ein weiteres Problem ist, dass die Menschen die Unterkünfte morgens um 8 Uhr wieder verlassen müssen.

Wir reden hier über junge Menschen. Junge Menschen haben vielleicht auch eine andere Tagesstruktur. Die gehen später ins Bett und stehen später auf, das funktioniert in Übernachtungshäusern auch nicht, so dass junge Menschen tatsächlich nicht in den Übernachtungshäusern der Stadt auftauchen. Sie kommen da gar nicht erst an.

Katharina Krefft, Abgeordnete der Grünen im Leipziger Stadtrat

Damit bleibt der Winter für die Mehrheit der Obdachlosen am Leipziger Hauptbahnhof ein Risiko.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 16. Januar 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2019, 19:13 Uhr

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2 Kommentare

18.01.2019 17:28 Walter 2

Nach meiner Meinung muss kein Mensch in Deutschland Obdachlos sein. Das Amt zählt und zählt. Eigener Wunsch, deshalb kein Mitleid.

Und Frau krefft, sollten nicht vor allen junge Menschen mit Schule, Lehre oder Arbeit einen geregelten Tagesablauf, wochentags, haben. Mit ihren Aussagen beflügeln Sie die neue Generation der, Entschuldigung für den Ausdruck von früher, freiwilligen Assis.

18.01.2019 11:49 Eisenbahner 1

"Wir reden hier über junge Menschen. Junge Menschen haben vielleicht auch eine andere Tagesstruktur. Die gehen später ins Bett und stehen später auf" Also ein junger Mensch, welcher z.B. eine Ausbildung macht (und damit u. A. etwas Geld verdient) oder studiert, hat doch eine geregelte Tagesablauf und eine Bleibe (sei es bei den Eltern). Von welchem Klientel spricht denn hier Frau Krefft (Grüne)? Daher die Frage: obdachlose linke "Aktivisten"? Das in Leipzig der rot-rot-grüne Stadtrat eine gewissen Sympathie für diese "Aktivisten" hat, ist doch kein Geheimnis...