Fünf Schauspieler halten eine Diskokugel mit Antennen in den Händen.
Szene aus "Düsterbusch City Lights": Regie führte Schauspieldirektorin Cornelia Crombholz. Bildrechte: Theater Magdeburg/Nilz Böhme

Theaterkritik "Düsterbusch City Lights" in Magdeburg: zu albern und zu bunt

In seinem Roman "Düsterbusch City Lights" schildert Alexander Kühne, wie ein junger Mann in den späten 80er-Jahren einen kleinen brandenburgischen Ort zur Pilgerstätte des musikalischen Undergrounds der DDR macht. Das Theater Magdeburg hat diese auf wahren Ereignissen basierende Geschichte nun auf die Bühne gebracht: als eine Art David-Bowie-Musical, dem es leider an Ernsthaftigkeit mangelt, findet unser Kritiker.

von Matthias Schmidt, MDR KULTUR-Theaterkritiker

Fünf Schauspieler halten eine Diskokugel mit Antennen in den Händen.
Szene aus "Düsterbusch City Lights": Regie führte Schauspieldirektorin Cornelia Crombholz. Bildrechte: Theater Magdeburg/Nilz Böhme

David Bowie ist ein Idol von Anton Kummer, dem Helden des Romans "Düsterbusch City Lights". Am liebsten würde er Bowie nach Düsterbusch holen, aber weil der natürlich nicht kommen wird, legt Anton los und organisiert andere Bands, Punks und New Romantics. Wie er das macht, und was er und seine Freunde dabei erleben, davon handelt der Roman genauso wie nun auch das Theaterstück in Magdeburg.

Regisseurin Cornelia Crombholz fährt dabei viel auf, um das Publikum zu unterhalten: So ist eine Art David-Bowie-Musical mit viel Musik auf der Bühne zu sehen, mit opulenten Kostümen, einer Live-Band und einem Kameramann, der ständig unterwegs ist, um die verschiedenen Handlungsorte verstehbar zu machen.

Musikalisch hapert es

Ein Mann und eine Frau auf der Tanzfläche.
Szene aus "Düsterbusch City Lights". Bildrechte: Theater Magdeburg/Nilz Böhme

Diese Idee mit Bowie ist wunderbar, sieht man einmal davon ab, dass seine Musik recht anspruchsvoll ist und erstmal zum Vortrag gebracht sein will. Hier überschätzen die Magdeburger leider ihre Möglichkeiten, denn sie verheben sich an einigen Songs etwas. Leider ist auch von der eigentlichen Musik des Undergrounds bis auf einen Song einer Band namens "Expander des Fortschritts" nicht viel zu hören oder zu erleben.

Diese weitgehende Abwesenheit der subversiven und ironischen Musik von damals ist vor allem deswegen schade, da alles ja auf wahren Ereignissen basiert: Düsterbusch heißt in Wirklichkeit Lugau, und es war der Buchautor Alexander Kühne, der aus diesem Ort einen weit bekannten Szenetreff machte. Legenden wie Sandow und Feeling B spielten dort. Teile der legendären Filmdokumentation "Flüstern und Schreien" über den Underground in der DDR wurden in dem brandenburgischen Dörfchen gedreht.

Klischee jagt Klischee

Auch was die Unterhaltung angeht, ist der gesamte Abend zu flach angelegt: Wir erleben dümmlich sächselnde Prolls und berlinernde Freaks. Die ganze DDR und die meisten Figuren darin – der Polizist, die FDJ-Funktionärin – sind wie mit der Klischeestanze angefertigt. Über weite Strecken kommt mir die Inszenierung vor, als wolle sie einfach nur eine leicht konsumierbare DDR-Revue sein. Irgendwas mit viel Zeitkolorit, FDJ-Hemden und Honecker-Bildern.

Ich hätte mir hier von Regisseurin und Schauspieldirektorin Cornelia Crombholz mehr erwartet. Sie hatte diese Inszenierung als dritten Teil Ihrer Beschäftigung mit Literatur über die DDR angekündigt, nach "Spur der Steine" und "Kruso". Selbst das eigene Programmheft geht mit diesem Anspruch heran: Da werden Heiner Müller und Thomas Brasch zitiert, und es geht um die Frage, ob in der anarchischen Kunst der späten DDR, in dieser Sehnsucht, die auch Anton verkörpert, etwas Revolutionäres steckte.

Eine Band macht Musik und tanzt.
Szene aus "Düsterbusch City Lights" am Theater Magdeburg: Regie führte Schauspieldirektorin Cornelia Crombholz. Bildrechte: Theater Magdeburg/Nilz Böhme

Der falsche Ton

Davon habe ich in der bunten und albernen Bühnenshow kaum etwas wiedergefunden. Auch wenn das Premierenpublikum (darunter viele Lugauer und Lugau-Fans) heftig jubelte: Ein namhaftes Stadttheater könnte schon versuchen, die eine oder andere tiefer liegende Schicht eines solchen Stoffes freizulegen. Die Inszenierung war insgesamt zu sehr an der Oberfläche, zu viel Witz, zu viel "weißt du noch?"! Und dann lief auch noch "Yes Sir, I can Boogie" von Baccara ...

Informationen zum Stück "Düsterbusch City Lights" am Theater Magdeburg
Nach dem Roman von Alexander Kühne
Für die Bühne bearbeitet von Cornelia Crombholz und David Schliesing
Nächste Aufführungstermine: 21. und 26.4. sowie 3.5.2019

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. April 2019 | 08:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. April 2019, 10:25 Uhr

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