Sparschwein auf britischer Flagge.
Ein ungeordneter Brexit würde auch für die Deutschen teuer werden. Bildrechte: imago/Gerhard Leber

Insgesamt zehn Milliarden Euro Studie: Harter Brexit würde jeden Deutschen 115 Euro kosten

Was kostet uns ein harter Brexit? Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hat sich mit dieser Frage beschäftigt. Das Ergebnis: 115 Euro pro Einwohner. Doch regional gibt es große Unterschiede.

Sparschwein auf britischer Flagge.
Ein ungeordneter Brexit würde auch für die Deutschen teuer werden. Bildrechte: imago/Gerhard Leber

Ein harter, ungeregelter Brexit würde auch in Deutschland jeden Einwohner Geld kosten. Einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge müsste sich jeder Einwohner hierzulande auf jährliche Einkommensverluste von durchschnittlich 115 Euro einstellen. Insgesamt sind das zehn Milliarden Euro.

Regional würden die Einkommensverluste allerdings sehr unterschiedlich ausfallen. Betroffen sind laut der Studien-Autoren besonders Regionen mit einem produktiven Mittelstand. Am höchsten wäre der Einkommensverlust demnach in Nordrhein-Westfalen. Danach folgen Bayern und Baden-Württemberg.

Mitteldeutschland weniger stark betroffen

Mitteldeutschland läge unter dem Durchschnitt: In Sachsen wären es Kosten zwischen 101 bis 150 Euro pro Einwohner, in Sachsen-Anhalt und Thüringen 49 bis 101 Euro pro Kopf. Allerdings wären in diesen beiden Bundesländern die prozentualen Einkommensverluste pro Person höher als in Sachsen.

Errechnet wurden auch die Kosten für einzelne Regionen. Auf die Region Düsseldorf würden mit 650 Millionen Euro pro Jahr bundesweit die höchsten Einkommensverluste zukommen. Am wenigsten betroffen wären die Regionen Trier (49 Millionen Euro), Leipzig (76 Millionen Euro) und Chemnitz (95 Millionen Euro).

Brexit-Gewinner wären USA und China

Die zu erwartenden Einkommensverluste setzen sich vor allem aus Preiserhöhungen etwa durch Zölle und einer geringeren Produktivität zusammen.

Insgesamt wäre Deutschland in der EU am stärksten von einem harten Brexit betroffen. Nur in Großbritannien wären die Auswirkungen noch viel stärker spürbar. Für das Land errechneten die Verfasser der Studie Einkommensverluste von jährlich 57 Milliarden Euro, das entspräche 900 Euro pro Einwohner.

Die Autoren sehen Verluste für ganz Europa, die Gewinner wären hingegen die USA und China. "Vom Brexit sind europäische Wertschöpfungsketten negativ betroffen", sagte Dominic Ponattu, Mitautor der Untersuchung. "Dadurch würde der Handel innerhalb Europas teurer und die Wirtschaftsbeziehungen mit dem Rest der Welt attraktiver werden."

Verluste auch bei weichem Brexit

In der Studie werden auch die Einkommensverluste bei einem weichem Brexit berechnet. In Großbritannien würden diese insgesamt rund 32 Milliarden betragen. Für Deutschland werden insgesamt rund fünf Milliarden Euro prognostiziert, also ungefähr die Hälfte der Verluste eines harten Brexit.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. März 2019 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. März 2019, 09:14 Uhr

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17 Kommentare

24.03.2019 10:27 Wo geht es hin? 17

@Wessi - Zitate von Ihnen: "Ihre Vergleiche sind inkorrekt!" und "...aber nicht in Ordnung ist daß Sie zwei Zahlen zu unterschiedlichen Fragen gegenüberstellen." Zitat Ende. Was GENAU verstehen Sie an diesem, MEINEM Satz nicht?:
"Zitat aus der ComRes-Umfrage für "The Daily Telegraph" Zitat Ende.
Also nur noch mal extra für Sie zum mitschreiben: es ist NICHT meine Gegenüberstellung, es ist NICHT meine Fragenauswahl und es ist NICHT meine Interpretation der Umfrage. Ich habe diese nur im Zitat hier als Gegenstück zu IHREN angeblichen Umfrageergebnissen eingestellt. Kein einziges Wort davon ist von MIR! Und Sie finden es also vollkommen in Ordnung, wenn jemand einen Vertrag ordnungsgemäß kündigt, diesen dafür dann zu bestrafen? Da wünsche ich Ihnen doch glatt mal das Gleiche, wenn Sie z. Bsp. Ihren Strom - oder Handyvertrag kündigen. Mal sehen, wie Sie DANN zu Ihrer Aussage stehen.

24.03.2019 10:18 Bingo 16

Peanutsbeträge die ,115 Euro pro Kopf . Hat man mal die Asylkosten ausgerechnet pro Kopf ?? Speziell der unberechtigten im Lande...

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23.03.2019 15:59 Fragender Rentner 15

Die berechneten 115,- € haben wir doch bestimmt gerne übrig für eine EU wie sie die Politiker uns erklären.

23.03.2019 13:53 Wessi 14

@ 12 Ich bin NICHT T.May.Die Frage "und nun?" bewegt Berufene.Ich bin für eine starke EU.Mit oder ohne GB.Ich stehe natürlich für eine "Bestrafung" von Austretenden, denn das ist im Interesse meines Landes, das in der EU bleiben wird.GB hatte jahrzehntelang Vorteile.Nun will das Land raus.Ok.Es gab eine Mehrheit. "Klar" war die nicht einmal.Mal abgesehen davon wie die zustande gekommen ist, liegt der Ball doch nun bei den Austrittswilligen.Warum,in dreiteufels Namen, sollte die EU sich auf Nachteile einlassen?Übrigens: Sie berufen sich auf Umfragen.In Ordnung, aber nicht in Ordnung ist daß Sie zwei Zahlen zu unterschiedlichen Fragen gegenüberstellen.(100-46=54, nicht 40,ausserdem zwei untersch.Fragen) Wenn GB über den 22.05. in der EU bleibt, müssen die Briten mitwählen, sonst käme es zu Klagen.

23.03.2019 11:39 Wessi 13

@ 12 Viel Wahres, was Sie da sagen.Aber ich stehe natürlich auch für die EU+mein Vaterland.Es stimmt mit der "Bestrafung".Ich finde das i.O.!Alles ist ca.fiftyfifty.Eine "Verlängerung" des Art. 50 kann es insofern nicht geben, als daß dann die Briten mitwählen müssten, das müssen 40% lernen.60% wissen das.46% denken es "klappte" ohne Deal.Das sagte mir, daß 54% es nicht glauben.Ihre Vergleiche sind inkorrekt!Eine erneute Abstimmung über den Deal ist wohl nicht möglich sagt der Speaker.Die letzte Frage ist nicht mir zu stellen,sondern May+der EU-Kommission.Aber es scheint so zu sein, als gäbe es nur Austritt ohne Deal (will das Parlament nicht) oder Revision des Artikel 50.Ist rechtlich möglich.Vllt. noch Rücktritt May+ein neues Referendum.Die EU sitzt am längeren Hebel.Als Bundesbürger finde ich das in Ordnung.

23.03.2019 07:08 Wo geht es hin? 12

@Wessi - Zitat von Ihnen: "Und es ist eben nicht nur "Bertelsmann", sondern es sind auch britsche+sonstige Institute, die warnen." Zitat Ende. Aha? Dazu mal was ganz aktuelles- Zitat aus der ComRes-Umfrage für "The Daily Telegraph": 46 Prozent der Erwachsenen glauben, dass ein No-Deal-Szenario „kurzzeitig für etwas Unsicherheit sorgen, letztendlich aber klappen“ würde. 40 Prozent dagegen setzen auf eine Verlängerung des Artikels 50, der den Austritt aus der EU regelt und wollen so Theresa May mehr Zeit für ihren Deal verschaffen. Zwei Drittel der Briten (61 Prozent) sind davon überzeugt, dass die EU mit den Verhandlungen versucht hat, Großbritannien zu bestrafen. Auf die Frage, ob es weniger Probleme gegeben hätte, wenn das Vereinigte Königreich gleich 2016 ohne Deal die EU verlassen hätte, statt zweieinhalb Jahre über einen Deal zu verhandeln, antworten 45 Prozent mit „ja“, nur 31 Prozent sehen das anders. Und nun Wessi?

22.03.2019 16:18 Wessi 11

@ alle EU-Kaputtmacher: Ihr habt nicht die Mehrheit+werdet sie nie bekommen.Die Briten sind vor dem Referendum von Rechtspopulisten wie Euch belogen worden. GB ist eben nicht mehr das, was es vor 80 Jahren war. Und es ist eben nicht nur "Bertelsmann", sondern es sind auch britsche+sonstige Institute, die warnen.Mit dem von London angezettelt wordenden Chaos wird das eindrucksvoll bewiesen.Die Brexiteers haben keine Mehrheit.

22.03.2019 12:59 Wo ist das Lobbyregister? Es framed in GT... 10

(Die Autoren sehen Verluste für ganz Europa, die Gewinner wären hingegen die USA und China.)

Iss klar, Bertelsmann. Aber wir müssen in Europa endlich für klare Verhältnisse sorgen, damit alle EU-Bürger auch etwas von den Profiten haben und nicht nur die Verluste und Gestehungskosten begleichen dürfen. Von den "Integrationskosten" für die Billiglöhner eurer Auftraggeber wollen wir gar nicht reden.

Und im übrigen haben die Briten mehrheitlich für den Brexit gestimmt und das aus nachvollziehbaren Gründen oder Frau Merkel? Das ist eine politische Entscheidung, keine geschäftliche. Ich weiss ich weiss: Das ist für die Bertelsmann-Stftung in GT-Avenwede kaum auseinanderzuhalten. Weshalb deren, stets genau passend zu den Absichten der Herrschenden Verhältnisse publizierten, "Studien" mit spitzen Fingern anzufassen sind. Das machen wir dann hier am besten auch so.

22.03.2019 12:13 Sabrina 9

Die Rentenkürzungen haben den Rentnern hierzulande das dreifache gekürzt - monatlich.
.
Es geht doch nichts über eine seriöse objektive Berichterstattung, wie sie uns ein weiteres mal vorgeführt wird.

22.03.2019 11:52 optinator 8

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