Schüler und Jugendliche ziehen am 15.03.2019 anlässlich einer Fridays-for-Future-Demonstrationen durch Halle (Saale) – hier am Leipziger Turm
In ihren "Fridays-for-Future"-Protesten fordern Schüler und Schülerinnen eine bessere Klimapolitik. Ein Forderungskatalog soll nun die Ziele der Bewegung konkretisieren. Bildrechte: MDR/Martin Paul

Forderungskatalog geplant Konkrete Ziele für "Fridays for Future"

Schülerinnen und Schüler der "Fridays for Future"-Bewegung, machen es ihrem Vorbild, der Schwedin Greta Thunberg, nach: Sie gehen freitags nicht in die Schule, sondern demonstrieren für eine nachhaltigere Klimaschutzpolitik. Und die politisch Verantwortlichen? Die applaudieren. Nur ändert sich nicht viel an der Klima- und Umweltpolitik der Bundesrepublik. Kann der Schülerprotest überhaupt etwas bewirken?

von Torben Lehning, MDR AKTUELL

Schüler und Jugendliche ziehen am 15.03.2019 anlässlich einer Fridays-for-Future-Demonstrationen durch Halle (Saale) – hier am Leipziger Turm
In ihren "Fridays-for-Future"-Protesten fordern Schüler und Schülerinnen eine bessere Klimapolitik. Ein Forderungskatalog soll nun die Ziele der Bewegung konkretisieren. Bildrechte: MDR/Martin Paul

Dienstagabend im Leipziger Westen, Demo-Vorbereitungen der "Fridays for Future"-Ortsgruppe im autonomen Interimscafé. Kleine Gesprächsrunden von Schülerinnen und Schülern sitzen in Sesselgruppen über ihre Laptops gebeugt.

Zwölftklässlerin Sophia kann sich nicht vorstellen, ihren Kampf gegen die aktuelle weltweite Klimapolitik zu verlieren. "Wenn der Kampf gegen den Klimawandel scheitert, dann scheitern nicht nur wir als Protestbewegung, sondern dann scheitert die Menschheit", sagt Sophia und erklärt weiter: "Weil das ist der größte Biodiversitätsverlust, den wir in der Menschheit je erleben werden, das größte Arten-Aussterben. Das wird massive Auswirkungen auf uns haben."

Ohne Ziele keine Bewegung

"Klimawandel, nein danke!" – schön und gut, aber wofür steht die Bewegung eigentlich genau, fragt sich der Deutsche Lehrerverbandpräsident Heinz-Peter Meidinger. Die Bewegung habe keine konkreten politischen Forderungen und könne so keinen Einfluss auf die Politik nehmen. Ohne Ziele und ohne klaren Zeitplan einfach weiter protestieren?

Warten wir, bis die 1,5-Grad- oder 2-Grad-Ziele erreicht sind? Dann müsste man das zehn Jahre durchziehen. Und deshalb glaube ich nicht, dass nach den Sommerferien viel davon übrig bleiben wird. Und das wäre schade.

Deutscher Lehrerverbandpräsident Heinz-Peter Meidinger

Themen gehen nicht aus

Da will Sophia nicht zustimmen. "Fridays for Future" sei konkret und man wolle nicht aufhören. Sie fordert: "Kohleausstieg am besten schon 2020."

Ein Thema der letzten Demo sei die Verkehrswende gewesen, erklärt Sophia. In der Kritik: Der öffentliche Nahverkehr. "Wir haben gesagt, es kann nicht sein, dass der ÖPNV für viele nicht lohnenswert ist und deshalb viele mit ihrem Privat-Pkw fahren." Und Sophia unterstreicht: "Es ist zwar schön, wenn ihr unseren Protest toll findet, aber uns geht es darum, dass gehandelt wird."

Engagement statt Protest

Anfang nächster Woche wollen die Schülerinnen und Schüler daher der Hauptstadt-Presse einen Katalog mit Forderungen präsentieren. Der wurde vorher bundesweit in den Ortsgruppen von "Fridays for Future" abgestimmt.

Lehrerverbandspräsident Meidinger bezeichnet sich selbst als Unterstützer der jungen Demonstrierenden, mahnt jedoch: Für echte Veränderung brauche es einen Marsch durch die Institutionen.

Mein Appell: rein in die Umweltgruppen, Naturschutzverbände, Jugendorganisationen der Parteien oder eigene Initiativen. Man kann auch an der jeweiligen Schule in Umweltschutzgruppen was machen.

Lehrerverbandpräsident Heinz-Peter Meidinger

Diskussionen erst durch Streiks entfacht

Die Parole: Wenn ihr euch ohne Streiks engagiert, erreicht ihr mehr. Weit gefehlt, meint der Jenaer Soziologe Dennis Eversberg. "Dass gestreikt und boykottiert wird, erzeugt ja tatsächlich Sorgen. Werden unsere zukünftigen Arbeitskräfte jetzt auch wirklich qualifiziert? Das erzeugt eine reale Funktionsstörung." Tatsächliche Diskussionsbereitschaft werde nur dadurch erzeugt, dass es diese Störung gebe. "Sonst würde man das wahrscheinlich noch viel mehr belächeln", meint Eversberg.

Protest muss weitergehen

Der Protestforscher erklärt, wenn "Fridays for Future" die Politik verändern wolle, müssten sich die Schülerinnen und Schüler noch mehr radikalisieren. Nicht weniger, sondern mehr streiken, gepaart mit weiteren Aktionsformen. Irgendwann könnten die Berliner Politiker die Forderungen der Schülerbewegung nicht mehr wegapplaudieren, sondern müssten tatsächlich handeln.

Die Demonstrierenden wollen weitermachen, meint Schülerin Sophia. Nicht nur jetzt, sondern auch in den Sommerferien.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. März 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. März 2019, 05:00 Uhr

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65 Kommentare

27.03.2019 08:46 Spottdrossel 65

Die Schulkinder gehören in die Schule! Wenn diese etwas zum Klimaschutz beitragen wollen, dann können sie sich gern in ihrer Freizeit an den Aktionen der "World-Clean-Up Bewegung" beteiligen und fleissig (Plastik)müll sammeln. Aber Müllsammeln ist ja nicht so spektakulär wie Schule schwänzen.

25.03.2019 14:06 Bingo 64

Mit oder ohne Greta. Das ständige Bevölkerungswachstum, wird die Welt zerstören, ohne wenn und aber und dagegen gibt es kein Mittel....

23.03.2019 13:06 Fakt 63

>>frank d, #57:
"...in Schweden waren Chöre mit bei Greta! Das ist KIRCHE, eine Sekte. "<<
--------
Wie kommen Sie denn auf den hanebüchenen Unsinn? Es waren Chöre dort, na und? In den meisten Opern Verdis treten fulminante Chöre auf - auch alles Kirche oder Sekte?
Manchmal zweifelt man wirklich am.....

23.03.2019 13:02 Fakt 62

>>Theophanu, #59:
"Es ist Zeit, mit immer wiederholten Legenden auszuräumen, hier: die Zustimmung von 97% der Wissenschaftler zum vom Menschen gemachten Klimawandel."<<
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Sie können mir sicherlich aufzeigen, wo ich die 97 Prozent erwähnt habe, oder? Ich schrieb von der Mehrheit der mit dem Thema befassten Wissenschaftler. Und die zweifeln den teils vom Menschen gemachten Klimawandel eben nicht an.

23.03.2019 12:57 Fakt 61

>>Wo geht es hin?, #60:
"Ich glaube, ich habe Ihnen mit Einstein zu viel zugemutet"<<--------
Das glauben aber auch nur Sie; ich weiß sehr wohl, welches Zitat Einsteins Sie im Sinn haben - das mit dem Universum und der Dummheit der Menschen. Deshalb ging es ja an Sie zurück.
Und, nur am Rande, ob Sie es glauben oder nicht, habe ich sogar einige Bücher über Einsteins Relativitätstheorien, sowohl die spezielle wie auch die allgemeine Relativitätstheorie, gelesen.

23.03.2019 10:41 Wo geht es hin? 60

@Fakt - Zitat von Ihnen: "Vielleicht lesen auch Sie meinen Beitrag #51." Zitat Ende. Hab ich. Aber Ihr Beitrag beweist eben nicht, dass ich etwas falsches geschrieben habe. Oder wollen Sie bestreiten, dass auch viele 7 - 12 Jährige zu diesen "Demos" gehen? Und GENAU DARAUF bezog sich meine ironische Einlassung. Ich glaube, ich habe Ihnen mit Einstein zu viel zugemutet - sorry. Wer noch nicht mal verstehnd lesen kann, ist mit Einstein wohl erst recht überfordert...

23.03.2019 10:23 Theophanu 59

Fakt und andere:
Es ist Zeit, mit immer wiederholten Legenden auszuräumen, hier: die Zustimmung von 97% der Wissenschaftler zum vom Menschen gemachten Klimawandel. Es gibt dazu einen guten Artikel im Spiegel "Die 97-Prozent Falle". Er legt dar, was der australische Wissenschaftler Cook in einer Fachzeitschrift publiziert hat. Dieser hatte die Klimastudien vieler Jahre ausgewertet, über 2 Drittel machten keine Ausage über den Einfluss des Menschen, ein Drittel machen dies, aber meist ohne Aussage, wieviel, Ursachen, Konsequenzen etc. Von diesem Drittel (!) haben 97% gesagt, dass der Mensch zur Klimaveränderung beiträgt, eine Binsenweisheit (dass Teibhausgase die Luft erwärmen ist wiss. Fakt). Die Zahl 97% (stammt von Obama!) ist also reiner Propagandabluff. Es gibt eben keine klaren wiss. Ausssagen und keinen Konsens zur Klimaentwicklung unter Fachwissenschaftlern. Alle Voraussagen beruhen auf dem CO2 Modell - das ist ein Modell, das unbewiesen und nicht unumstritten ist.

23.03.2019 10:06 Werner 58

@MDR: Grundlage ist die eigene Erfahrung. In meiner Schulzeit haben, bis auf paar Streber, alle "Juhu" gerufen, wenn die Schule wegen "Hitzefrei", egal, ausgefallen war. Bei den Strebern war ich nicht. Sogar "Manöver Schneeflocke", oder der Schwimmunterricht im naheliegenden Naturbad, war allemal noch besser als Schule, obwohl es zum Sport gehörte- Hauptsache raus / "Aus". Auf einer Video-Plattform kann man sich paar aktuelle Interviews mit den Schülern anschauen. Sehr überzeugend kommen die nicht rüber. Irgendwas mit Klima und Blabla. Gut, die sind noch sehr jung, und lassen sich ganz leicht begeistern und beeinflussen. Dass die Aussagen "gefiltert" sein können, ist kein Geheimnis. Eigene Umfragen des MDR wären schön. Anonym. Letzteres nur eine Idee, wie man am wenigsten auffällt. Kopfhörer und Tüte müssen nicht sein, weil die Reaktion der Schüler vorhersehbar ist.

23.03.2019 09:33 frank d 57

FREI Day or Future
Es ist schon erstaunlich wie liederlich die Handwerker der Sprache mit selbiger umgehen.
Streik nennt man das Vorenthalten einer Leistung!
Also im Regelfalle Arbeitsleistung wird nicht erbracht aber auch kein Lohn gezahlt!
In unserem Lande gilt allerdings eine Schulpflicht. Das ist eine Leistung der Steuerzahler dieses Landes! Die eigene Bildung zu sabotieren ist einfach nur Dumm. Im übrigen sind in Deutschland Streiks zur Durchsetzung politischer Ziele verboten.
wenn das nix nutzt dann einfach von Montag bis Freitag protestieren. Falls das Klima dann noch nicht spurt, wird das Wochenende durchgestreikt. Ach so das ganze hat natürlich Tradition schon bei Adolf engagierten sich die Kids und auch bei Erich
demonstrierten tausende am ersten Mai ihre Liebe zum Sozialismus. Man sieht die Kinder wussten schon immer am allerbesten was toll ist.
Natürlich diesmal ist natürlich alles ganz anders in Schweden waren Chöre mit bei Greta! Das ist KIRCHE, eine Sekte.

23.03.2019 08:21 Fakt 56

@Wo geht es hin?, #53:

Vielleicht lesen auch Sie meinen Beitrag #51.
Das Einstein-Zitat gebe ich Ihnen gerne zurück - vielleicht können Sie es brauchen.