Belgien: Statue "Europa" der belgischen Künstlerin May Claerhout vor dem Europäischen Parlament in Brüssel.
Hand der Statue "Europa" der belgischen Künstlerin May Claerhout vor dem EU-Parlament in Brüssel. Bildrechte: dpa

EU-Fördergelder Acht Milliarden Euro aus Brüssel für Mitteldeutschland

Viele Bauprojekte, Start-Ups, soziale Initiativen und Forschungseinrichtungen in Deutschland erhalten Fördergelder von der EU. Dabei profitiert der Osten stärker als die alten Bundesländer. Wir stellen sechs Projekte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vor.

Belgien: Statue "Europa" der belgischen Künstlerin May Claerhout vor dem Europäischen Parlament in Brüssel.
Hand der Statue "Europa" der belgischen Künstlerin May Claerhout vor dem EU-Parlament in Brüssel. Bildrechte: dpa

Bürokratisch und weltfremd: Bei vielen Menschen hat die Europäische Union nicht gerade den besten Ruf. Dabei gibt es viele Projekte, die erst durch Geld aus Brüssel umsetzbar sind. Die Politikwissenschaftlerin und Europa-Expertin Astrid Lorenz von der Universität Leipzig erklärt: "Die östlichen Bundesländer profitieren wesentlich stärker von der EU als etwa Bayern und Baden-Württemberg, wo EU-Mittel im Landeshaushalt fast gar keine Rolle spielen."

Fast acht Milliarden Euro für Mitteldeutschland

Sachsen erhält von 2014 bis 2020 rund 2,75 Milliarden Euro aus verschiedenen EU-Struktur- und Investitionsfonds (Sozialfonds, Regionalentwicklungsfonds, Fonds für ländlichen Raum, Kohäsionsfonds, Meeres- und Fischereifonds).

Im strukturschwachen Sachsen-Anhalt sind es sogar rund 2,9 Milliarden Euro. Diese Summe deckt rund ein Fünftel der öffentlichen Investitionen des Landes ab. Für Projekte in Thüringen stehen in dem Sechsjahreszeitraum 2,3 Milliarden Euro zur Verfügung. Ähnliche Summen fließen nach Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

EU-geförderte Projekte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Blick auf den Generationenbahnhof in Erlau.
Schick dank EU: der Generationenbahnhof in Erlau. Bildrechte: dpa

  • Generationen-Bahnhof in Erlau: Die Gemeinde Erlau in Mittelsachsen hat mit mehr als 700.000 Euro an EU-Fördermitteln den ehemaligen Bahnhof aus dem 19. Jahrhundert vor dem Verfall gerettet und zu einem "Generationenbahnhof" umfunktioniert. Die Idee: Begegnung und Vorsorge unter einem Dach. Heute gibt es einen Veranstaltungsraum, ein Bürgerbüro, eine Seniorentagespflege sowie eine Zahnarztpraxis. Insgesamt flossen rund zwei Millionen Euro in den Umbau.

  • Kletterpark für Behinderte in Grünheide: Der Waldkletterpark Grünheide im Vogtland bietet auf einer Fläche von 18 Hektar Kletterwände, schwankende Bohlen und Netze in lichter Höhe. Unter anderem mit 95.000 Euro aus EU-Töpfen wurden Teile des Parcours auch für Rollstuhlfahrer, Blinde und Menschen mit eingeschränkter Motorik zugänglich gemacht. So sind Wege in Blindenschrift beschildert, geschultes Personal unterstützt die Menschen. Ein Karussell ist speziell für Rollstuhlfahrer gemacht.

  • Baumschutzprojekt im Harz: Die Stadt Osterwieck im Harz bekommt Geld von der EU, weil sie Bäumen eine Überlebensgarantie gibt. 2018 wurden 108 Bäume mit Plättchen gekennzeichnet, die nie mehr gefällt werden dürfen. 2019 sollen rund 130 weitere folgen. Für jeden geschützten Baum gibt es Geld aus dem EU-Fonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Für eine Buche kassiert die Stadt zum Beispiel 200 Euro.

  • Beratung für Unternehmensgründer: Das Transfer- und Gründerzentrum der Universität Magdeburg unterstützt mit Geld aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) Start-Ups aus der Technologiebranche. Das umfasst Hilfe beim Erstellen des Business- und Finanzplans und der Vermittlung erster Kunden. Zudem gibt es Trainings, um Investoren von der Geschäftsidee zu überzeugen. Die zwei Projekte des Transfer- und Gründerzentrums werden mit insgesamt rund zwei Millionen Euro vom ESF und vom Land gefördert. 115 Gründungsinteressierte haben den Angaben zufolge teilgenommen, insgesamt 23 Start-Ups wurden bislang erfolgreich gegründet.

  • Trainingsroboter: Die Technische Universität im thüringischen Ilmenau konnte mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) einen Trainingsroboter entwickeln. Er soll Patienten nach orthopädischen Operationen bei Gehübungen helfen.

  • Sozialprojekt "Bauernhofeis": ESF-Fördermittel flossen in ein Projekt der Caritas aus Erfurt für Langzeitarbeitslose. Durch die EU-Förderung für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum konnte zum Beispiel der Bau einer Eisfabrik im Wartburgkreis realisiert werden, in der ein landwirtschaftlicher Familienbetrieb "Bauernhofeis" herstellt.

(Quelle: DPA)

 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. April 2019 | 02:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. April 2019, 10:02 Uhr

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52 Kommentare

17.04.2019 12:47 Maria A. 52

Was aber an Geldern von Deutschland aus in die EU floss und noch fließt - das wollen wir wohl lieber nicht wissen, oder? Zudem sind wir ja bald mit Frankreich noch das letzte funktionierende Industrieland der EU und damit die größten Bürgen, wenn nicht sogar der größte Schuldenbürgende der EU überhaupt. Mir kommt diese EU so vor, wie eine Ehe in der Satire: "Man teilt sich gemeinsam die Sorgen, die man allein gar nicht hätte."
Schönen Tag noch.

16.04.2019 14:38 Mediator an Bernd L. (47) 51

Mensch Bernd, diese 10 Milliarden haben es dir wohl angetan. Brihct man die Zahl auf jedem Bundesbürger herunter sind es nur noch lächerliche 120-130 € Pro Jahr. Glaubst du ernsthaft du könntest mit dieser Summe irgendwelche Straßen vergolden?

Vor allem musst du, falls Deutschland nicht in der EU wäre und es keinen Euro gäbe erst mal wieder Milliarden abziehen, denn wir haben den EU Binnemarkt ja sicher nicht eingeführt weil alle dabei draufzahlen und keine Vorteile von ihm haben.

Schau doch einmal nach Großbrittanien. Da redet inzwischen keiner mehr davon, dass er sich die Straßen vergolden lassen kann nach einem Brexit. Dort zahlt man bereits jetzt drauf und verliert massiv Arbeitsplätze und Investitionen.

Komisch, dass bisher kein Geld in Griechenland verloren ist und der deutsche Fiskus bisher sogar Einnahmen in Milliardenhöhe aus den Krediten an Griechenland erzielt hat. Aber vielleicht können wir uns darauf einigen, dass wir alle sterben werden - irgendwann einmal!

16.04.2019 13:59 Klaus 50

@ { 16.04.2019 11:07 Bernd L. }
Ohne die Freizügigkeiten der EU hätten wir aber diese Überschüsse nicht.
Es ist klar, dass nicht jeder die komplexen und globalen wirtschaftlichen Zusammenhänge versteht.
Wichtig ist, dass das die meisten verstehen und auch entsprechend wählen.
Die Förderpolitik auf allen Ebenen, auch auf der EU-Ebene, ist grundsätzlich richtig. Durch die wirtschaftliche Freizügigkeit können die starken Regionen mehr Geld erwirtschaften, was man dann teilweise den wirtschaftlich schwächeren Regionen als Förderung zukommen lässt.
Das ist vernünftig und richtig, am Ende hat jeder etwas davon.
Nicht jeder versteht das, die meisten aber schon.

16.04.2019 13:04 Klaus 49

Die EU hat Deutschland viele Vorteile gebracht, die die Mehrheit nicht missen will.
Schon alleine wenn man sich das Abstimmungschaos in GB ansieht, kann man sehen wie gut es uns geht. Und wenn man durch verbesserten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der EU auch noch Fördergelder erwirtschaften kann, dann ist das doch eine prima Sache.
Die starken Regionen bekommen die Möglichkeit noch mehr Geld zu erwirtschaften und die schwächeren Regionen erhalten erhöhte Fördergelder. Das ist doch ein Gewinn für beide Seiten.
So funktioniert die soziale Marktwirtschaft, jeder hat mehr.

16.04.2019 12:29 Klaus 48

@ { 15.04.2019 23:39 Anton }
Alles andere gehört eben auch zum wirtschaftlichen Erfolg.
Das haben wir in der BRD schon seit fast 70 Jahren sehr erfolgreich praktiziert. Zuerst waren es die Ostflüchtlinge in der Nachkriegszeit. Später ab den 60ern waren es dann die Südeuropäer und die Türken. In den letzten Jahrzehnten sind weitere EU-Ausländer hinzugekommen. Und wenn man sich die wirtschaftlich starken Regionen anschaut, dann haben die in Deutschland den höchsten Ausländeranteil (Frankfurt/Offenbach, München usw.). Letztendlich erwirtschaften die Ausländer in Deutschland auch die Fördergelder für die wirtschaftlich schwächeren Regionen, wo nur sehr wenige Ausländer sind, z. B. in Ostdeutschland.
Der Förder-Transfer von West nach Ost findet nach wie vor statt (Soli, Länderfinanzausgleich, EU-Fördergelder).
Man stelle sich den Osten ohne diese Fördergelder vor. Ohne die wirtschaftlichen EU-Erleichterungen wären diese Gelder im Westen auch gar nicht zu erwirtschaften.

16.04.2019 11:07 Bernd L. 47

Klaus:
Von dem Nettoüberschuss Deutschlands (10,7 Millierden pro Jahr) könnte man in ostdeutschen Großstädten die Straßen vergolden.
Deutschland steht mittelweile mit hunderten Milliarden Haftungen für die Schulden der Südländer ein. Die 80 Milliarden für Griechenland sind verloren, die für Italien auch.--
Ich kann verstehen, dass der MDR eine Artikelserie pro EU machen will (muss? Framing), aber diese ist ein Eigentor.

16.04.2019 09:09 Mediator an Hanilein (38) 46

Da sie ja genau wissen wie die Mittel zigfach mehr von Deutschland in die EU fließen können sie uns sicher auch mit ein paar Zahlen auf die Sprünge helfen, oder artikulieren sie hier nur ein dickes Bauchgefühl?

Ansonsten sollten sie sich einmal klar machen, dass man auch ohne Euro in Deutschland die Großbanken hätte retten müssen, denn die Bankenkrise war international.

Ansonsten beschreiben sie doch einmal die Auswirkungen der von ihnen kritisierten Maßnahmen auf ihr Leben. Vermutlich gibt es da keine, außer dass sie sich über niedrige Zinsen ärgern, die aber auch nichts mit der EU zu tun haben wie ein Blick in die Welt zeigt.

Da lobe ich mir doch die handfesten und greifbaren Vorteile der EU die sich für Firmen monetär und für die Menschen in Arbeitsplätzen niederschlagen.

16.04.2019 09:01 Mediator an Gerd Müller(39) 45

"Zahlmeister für alle"? Sind wir hier am Stammtisch oder gehts auch ein bischen sachorientierter? Da hier nicht nur ihre EU kritischen Kumpels sitzen kommen sie mit solchen Sprüchen nicht weit.
Schauen sie sich welche Antworten die Brexitpopulisten in GB geben können - keine! Der wirtschaftliche Schaden dort geht bereits jetzt in einen mittleren zweistelligen Milliardenbereich, ohne dass man bereits ausgetreten ist.
Wie erklären sie unseren Wohlstand, unserer niedrige Arbeitslosigkeit und unseren guten Status Quo im Vergleich zu anderen EU Staaten, wenn diese uns angeblich seit Jahrzehnten ausnehmen?
Dank der EU können wir unsere guten und kostengünstig hergestellten inovativen deutschen Produkte ohne jedes Risiko in einen 500 Mio Menschen Binnenmarkt exportieren. Erinnern sie sich noch an Zollgrenzen in Europa und Währungsschwankungen? Das waren immense Kosten und Risiken für Unternehmen.
Fühlen sie sich ruhig stolz als Zahlmeister mit ihren 129 € / Jahr für die EU.

16.04.2019 03:02 Klaus 44

@ { 15.04.2019 20:35 Auf zum letzten Gefecht! }
Wenn Sie etwas gegen die EU-Förderung in Ostdeutschland haben, dann sollten Sie das mal mit ihren Nachbarn diskutieren.
Ich habe jedenfalls kein Problem damit, wenn unsere reichlichen Überschüsse in Ostdeutschland als EU-Fördermittel investiert werden.

16.04.2019 02:58 Klaus 43

@ { 15.04.2019 20:57 REXt }
Die Märchen verbreiten doch eher unsere Besorgten.
Die Steuergelder werden doch größtenteils von den starken Regionen erwirtschaftet. Gleiches gilt für den Soli.
Ich habe nichts dagegen, dass der Osten mehrheitlich von der EU-Förderung profitiert.
Bei uns brummt die Wirtschaft auch so und was sollen wir mit den vielen Geldern anfangen. Gleiches gilt auch für den Länderfinanzausgleich.
Warum soll das jetzt plötzlich falsch sein, was bei uns schon seit 70 Jahren erfolgreich praktiziert wird. Das Gegenteil ist der Fall. Was erfolgreich ist, sollte möglichst oft wiederholt werden. Und genau das macht die EU mit ihrer Förderungspolitik sehr gut. Das kann eben nicht jeder verstehen, aber die überwiegende Mehrheit schon.