Glyphosat Bayer-Tochter Monsanto sammelte verdeckt Informationen

Nach FAKT-Recherchen sammelte eine Beratungsfirma im Auftrag von Monsanto verdeckt Informationen im Weißen Haus. Erkundet wurde dabei offenbar die Position der Trump-Administration zum Pflanzengift Glyphosat.

Firmenzentrale Bayer 6 min
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Im Streit um Glyphosat sammelte Monsanto weit über das übliche Maß hinaus Informationen zu Politikern, Forschern und Journalisten.

FAKT Di 21.05.2019 21:45Uhr 05:52 min

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Nach Recherchen des ARD-Magazins FAKT sammelte eine Beratungsfirma im Auftrag von Monsanto verdeckt Informationen im Weißen Haus in Washington. Erkundet wurde dabei offenbar die Position der Trump-Administration zum Pflanzengift Glyphosat. Die Informationsgeber wussten aber nicht, dass Details aus den Gesprächen für Monsanto bestimmt waren. Das geht aus einem Dokument hervor, das dem ARD-Magazin vorliegt und im jüngsten US-Gerichtsverfahren offengelegt wurde.

Ein ehemaliger Monsanto-Manager sagte aus, dass der Informationsfluss bewusst verdeckt stattfinden sollte: "Das ist der Punkt. Wir wollten sichergehen, dass wir Dinge über uns selbst hören, die man uns nicht direkt mitteilen würde." (Im Original: "That was the point. We wanted to make sure that we could hear things about ourselves that people might not say directly to us.")

Das Weiße Haus in Washington.
Im Weißen Haus in Washington sammelte eine Beratungsfirma im Auftrag von Monsanto verdeckt Informationen Bildrechte: Colourbox

Der Monsanto-Mutterkonzern Bayer teilte auf FAKT-Anfrage mit: "[Es] … entspricht unserem Verständnis, dass die Meinungen der Gesprächsteilnehmer freiwillig und ohne Bedenken geäußert wurden." Das war bei diesem Auftrag aber offensichtlich nicht der Fall.

Der Public-Relations-Experte Professor Günter Bentele kritisierte diese Vorgehensweise gegenüber FAKT: "Wenn ich nicht sage, in wessen Interesse ich frage, oder Informationen einhole, dann ist das eine Art von Täuschung. Das ist das Gegenteil dessen, wie Organisationen agieren sollten."

Bundestagsabgeordneter verlangt sofortige Information über "Stakeholder-Listen"

In der aktuellen Diskussion um die von Monsanto geführten sogenannten Stakeholder-Listen über Politiker, Journalisten, Wissenschaftler und Umweltaktivisten wird jetzt außerdem der Ruf nach einer umgehenden Information der Betroffenen laut. Der Bundestagsabgeordnete der Grünen Harald Ebner fordert im FAKT-Interview: "Wenn Bayer jetzt uns alle hinhalten möchte und sagt: wir haben eine Anwaltskanzlei beauftragt – dann reicht das nicht aus. Ich möchte nicht warten, bis irgendeine Anwaltskanzlei irgendwas erledigt hat. Ich möchte das heute wissen – so schnell wie möglich."

Bayer hatte sich für das Vorgehen entschuldigt und eine Anwaltskanzlei mit der Aufarbeitung der "Stakeholder-Listen" beauftragt. Betroffene sollen nach Konzernangaben bis spätestens Ende nächster Woche informiert werden.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 21. Mai 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Mai 2019, 18:14 Uhr

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2 Kommentare

22.05.2019 10:42 Fragender Rentner 2

Wer sammelt wohl von denen und anderen die an Machtstrukturen sitzen keine Daten von den Bürgern?

Der melde sich.

21.05.2019 23:25 DER Beobachter 1

Monsanto bindet Firmen und Kleinbauern in seinen Anbaugebieten u.a. und v.a. in den ärmeren Staaten an Knebelverträge auch zum Erwerb von eigenen notwendigen Zusatzprodukten, und es verklagt(e?) Firmen und Kleinbauern, die zufällig von Monsanto-Produkten betroffen wurden, etwa durch normale Reste und Anhaftungen in Getreidegüterwagen oder durch Insekten- und Windbestäubung. M.W. "fördert" Monsanto diverse Drittmittelprojekte an den Agrarlehrstühlen deutscher Hochschulen, u.a. ausgerechnet den seinerzeit sehr engagierten und begehrten Lehrstuhl für Agrarökologie an der Universität Rostock. Bayer setzt "lediglich" das Geschäftsmodell des übernommenen US-Konzerns fort. Das Gebahren da in Washington wundert nicht besonders. Zumal Trump, auch wenn er sich christlich-konservativ gibt, noch nie ein Problem damit hatte, die göttliche Schöpfung an den Mammon zu verraten.