Drei Schädel liegen in einer Vitrine
Schädel der Meckelschen Sammlungen in Halle. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/Anja Nititzki

Rückgabe nach mehr als 100 Jahren Knochen von Aborigines reisen von Halle nach Australien

Die Uni Halle hat am Montag in Berlin Knochen von fünf Aborigines aus der der Meckelschen Sammlung an die australische Botschaft übergeben. Die Gebeine sollen nach Australien überführt werden und in ihre Herkunftsgemeinschaften zurückkehren.

Drei Schädel liegen in einer Vitrine
Schädel der Meckelschen Sammlungen in Halle. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/Anja Nititzki

Knochen von australischen Ureinwohnern reisen von Halle zurück in ihre Heimat. Die Gebeine von fünf Aborigines waren Teil der Meckelschen Sammlungen, einer Anatomie-Ausstellung der Martin-Luther-Universität Halle. Sie sollen nun an ihre Herkunftsgemeinschaften zurückgeführt werden.

Bei einer feierlichen Zeremonie in der australischen Botschaft in Berlin am Montagnachmittag wurden die Knochen der Aborigines an Australien übergeben. Neben den fünf Skeletteilen aus den Meckelschen Sammlungen werden auch Knochen von 37 Aborigines von den Ethnographischen Sammlungen in Dresden zurückgegeben. Sie werden von Vertretern der Yawuru, einem indigenen Volk aus Westaustralien, entgegengenommen.

Teil der Meckelschen Sammlungen

Die Knochen der fünf Australier gehörten seit mehr als 100 Jahren zu den Meckelschen Sammlungen. Die Sammlungen werden von den halleschen Anatomie-Professoren Heike Kielstein und Rüdiger Schultka geleitet.

Ein Raum mit Vitrinen voller anatomischer Präparate
Die Knochen der Aborigines waren Teil der Meckelschen Sammlungen. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Anja Nititzki

Die Identität eines der Skelette ist bereits bekannt: Es handelt sich um einen Vorfahren des indigenen Warrgamay/Bandjin-Volkes aus Hinchinbrook im Bundesstaat Queensland im Südosten Australiens. "Bob" ist laut Kielstein in Deutschland verstorben; seine australische Herkunft konnte exakt belegt werden. Er werde in Australien an sein Volk zurückgegeben. Die genaue Herkunft der anderen vier Aborigines muss noch geklärt werden. Darum kümmert sich dann die australische Regierung. In Australien sollen die Gebeine nach traditionellen Riten bestattet werden.

Warum die Knochen zurückgegeben werden

Für die Aborigines, die Ureinwohner Australiens, haben Vorfahren eine große Bedeutung. "Der Geist der Ahnen spielt in Riten und Zeremonien eine große Rolle, sie werden um Rat, Gesundheit und Hilfe angerufen", sagt Kielstein. Daher sei es selbstverständlich, die sterblichen Überreste zurückzugeben.

Die Aborigine-Knochen, die zurückgeführt werden, stammen aus Sammlungen der Kolonialzeit. Die Skelettteile seien im 19. und 20. Jahrhundert beispielsweise von Anthropologen, Ethnologen und Anatomen mitgenommen worden, heißt es von der australischen Regierung. Die Knochen hätten vermeintlich wissenschaftlicher Forschung gedient.  

Die damaligen Entdecker wollten die Besonderheiten der Welt in der eigenen Heimat zeigen können, sagt Kielstein. "Die Schicksale der Menschen, deren Gebeine in Museen und Sammlungen in Deutschland und anderen europäischen Ländern ausgestellt wurden und noch werden, waren teilweise unvorstellbar grausam."

Die Meckelschen Sammlungen

Die Meckelschen Sammlungen in Halle sind mit etwa 8.000 Präparaten eine der größten Anatomie-Sammlungen Deutschlands. Sie entstanden Mitte des 18. Jahrhundert aus der Privatkollektion der Ärztefamilie Meckel. Johann Friedrich Meckel begründete sie in Berlin; sein Sohn Philipp Friedrich Theodor brachte sie nach Halle. Dessen Sohn wiederum, Johann Friedrich Meckel der Jüngere, weitete die Sammlung seiner Familie erheblich aus.

Seit 2015 gilt die Kollektion als national wertvolles Kulturgut Deutschlands. Die Sammlungen befinden sich im Institut für Anatomie. Unter den Exponaten sind beispielsweise präparierte menschliche Organe, Skelette, Schädel und einzelne Knochen. Die Sammlung umfasst zudem Tierskelette und -präparate, teils von bereits ausgestorbenen Arten.

Weitere Rückführungen von Aborigine-Knochen

Nicht nur aus Halle werden Aborigines-Knochen zurückgegeben. Insgesamt reisen im April 53 Skelette von indigenen Australiern aus Deutschland in ihre Heimat zurück. Die australische Regierung spricht von einer Rekordzahl. Neben Halle werden Gebeine aus Sammlungen in Sachsen, München, Freiburg und Stuttgart nach Australien gebracht. Ähnliche Rückgabe-Zeremonien wie in Berlin hatte es daher bereits vergangene Woche in München und Stuttgart gegeben.

Die australische Regierung übernimmt den Transport und die weitere Identitätsfeststellung, damit die Knochen an ihre Herkunftsgemeinschaft zurückgegeben werden können. Bereits seit Jahren setzt sich die Regierung für die Rückführungen ein. In den vergangenen Jahren sind daher die sterblichen Überreste von 51 Aborigines aus Deutschland zu ihren Angehörigen zurückgekehrt.

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Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 15. April 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. April 2019, 18:55 Uhr

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